Praktische Schule mal ganz anders

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Die Teilnehmer der Diskussion beim anschließenden Rundgang durch die Räume der BQM: (von links) Christian Saar, Anke Cornelius-Heide, Axel Rausch, Dr. Ernst Dieter Rossmann und Martin Mertens. Foto: Kienitz/BQM

(Dieter Kienitz) Meldorf – Die Konjunktur läuft gut, und der Bedarf gerade an jungen Fachkräften ist groß. Dennoch gibt es Jugendliche, die weder einen Ausbildungsplatz noch einen Job finden. Die Gründe sind vielfältig: ein schlechter oder gar kein Schulabschluss, psychische Probleme, mangelnde Unterstützung durch das Elternhaus, oft auch schlechte Erfahrungen mit einem leistungsorientierten Schulsystem.

Um diese Jugendlichen oder jungen Erwachsenen aufzufangen, ist in Dithmarschen vor zehn Jahren die Produktionsschule gegründet worden. „Wir führen die Jugendlichen dabei in sinnvollen Produktionsprozessen an Arbeit heran, ohne sie schulisch zu überfordern. Sie lernen nicht im Frontalunterricht, sondern handlungsorientiert durch praktische Tätigkeiten“, erläuterte Axel Rausch, Geschäftsführer der Bildung und Qualifizierung Meldorf gGmbH (BQM), ein Jugendaufbauwerk, das die Produktionsschule Dithmarschen seit zehn Jahren betreibt.

Die BQM war Gastgeber einer Gesprächsrunde von Vertretern der schleswig-holsteinischen Produktionsschulen, des Bundesverbands der Produktionsschulen und des Jobcenters Dithmarschen mit Dr. Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Bundestag, sowie Anke Cornelius-Heide, Bürgermeisterin der Stadt Meldorf. Im Mittelpunkt stand dabei die langfristige Finanzierung von Produktionsschulen. Bislang bekommen die Träger dieser „Schulen“ meist Gelder von den Ländern, den Jobcentern und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Die ESF-Finanzierung wird sich jedoch voraussichtlich mit dem Ende der aktuellen ESF-Förderperiode um etwa 20 Prozent reduzieren und damit droht den Produktionsschulen eine Finanzierungslücke. Mittlerweile hat zumindest Schleswig-Holstein signalisiert, seine geförderten Produktionsschulen bis zum Start der nächsten ESF-Förderperiode fortführen zu können. Eine langfristige und nachhaltige Lösung sei das jedoch nicht, betonten Martin Mertens und Axel Rausch. Die Produktionsschulen benötigten zukünftig eine verlässliche Regelförderung.

Im Verlauf des Gesprächs verdeutlichte Christian Saar, Geschäftsführer des Jobcenters Dithmarschen, die unterschiedlichen Bedarfe der Jugendlichen, und zeigte dabei auch die Bedeutung der Produktionsschule Dithmarschen für einige Jugendliche als Unterstützung auf deren teilweise steinigem Weg in die Ausbildung auf. Auch Dr. Rossmann sprach von einer „wichtigen Arbeit für junge Menschen, die im Regelschulsystem nicht gut zurechtgekommen sind“. Er machte jedoch auch deutlich, dass das Problem der Finanzierung eher im Bereich der Sozial-, als in der Bildungspolitik aufgehoben sei. Er wolle sich daher mit den zuständigen Politikern seiner Partei über das Thema austauschen.

Martin Mertens, Vorsitzender des Bundesverbands der Produktionsschulen, verdeutlichte, worauf es den Trägern ankomme: „Wir möchten die Produktionsschule als dritten Weg für den Übergang von der Schule in den Beruf“ und damit als echte Alternative im Bildungsangebot etablieren. Darüber hinaus müsse es auch deshalb eine langfristige Finanzierung geben, um den Mitarbeitern eine auskömmliche Entlohnung und eine Perspektive bieten zu können. Im Anschluss an die Diskussionsrunde machten sich Dr. Rossmann und die anderen Teilnehmer vor Ort einen Eindruck von der praktischen Arbeit der Produktionsschule Dithmarschen, von Bäckerei und Gastronomie über Verkauf und Pflege bis zu Tischlerei, Maler- und Metallwerkstatt.

 

Quelle: https://www.boyens-medien.de/dithmarschen/nachbarn/artikel/nachbarn/praktische-schule-mal-ganz-anders.html